18. Wahlperiode (seit 2013)
5. Februar 2015: Rede zum Baukulturbericht 2014/15
Deutscher Bundestag - 18. Wahlperiode - 85. Sitzung

Rede zum Baukulturbericht 2014/15


Es gilt das gesprochene Wort!

Vizepräsident Johannes Singhammer:
Nächster Redner ist der Kollege Volkmar Vogel, CDU/CSU.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Volkmar Vogel (Kleinsaara) (CDU/CSU):


Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Baukultur ist das Thema, der Baukulturbericht 2014/15 die Grundlage unserer heutigen Debatte. Lassen Sie mich gleich zu Anfang allen Danke sagen, die an der Erarbeitung dieses Berichtes beteiligt waren. Ich finde, diese gute Leistung verdient unseren gemeinsamen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Insbesondere danken möchte ich auch unserer Bundesstiftung Baukultur, die maßgeblich die Themen des Berichts vorgegeben und hier eine sehr gute Arbeit abgeliefert hat.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Oliver Krischer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Für meine Fraktion kann ich sagen, dass wir die Baukultur von Anfang an, seit dem Jahre 2006 und davor, hochhalten und stärken. Eine starke Bundesstiftung Baukultur ist Ausdruck dessen. Dies ist auch Teil dessen, was wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben: Wir wollen einen breiten Dialog im baukulturellen Bereich unterstützen, und wir wollen unsere Stiftung stärken.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Es ist nicht selbstverständlich, dass im Haushalt dafür 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stehen und dass wir auch in diesem Jahr weitere 100 000 Euro dafür bereitstellen. Das ist gut angelegtes Geld, auch mit Blick auf den Förderverein, der der Bundesstiftung Baukultur zur Seite gestellt ist. Ich denke, die positive Entwicklung, was die Mitgliedschaften im Förderverein angeht, ist ein Zeichen, dass wir auf einem guten Weg sind, dass Architekten, Verbände und Bauunternehmer bzw. Bauunternehmen bereit sind, sich hier zu engagieren, sich für die Belange der Baukultur einzusetzen und sie auch finanziell zu unterstützen. Das entlastet am Ende des Tages auch ein Stück weit unseren Haushalt und hilft, die Arbeit weiter zu verstetigen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Das ist gut angelegtes Geld für die Baukultur; denn die Baukultur ist Teil unserer Kultur, seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden und – aus der heutigen Zeit betrachtet – auch für die nächsten hundert und tausend Jahre.
Die Baukultur wird oftmals unterschätzt und leider oft auch wirtschaftlichen Erwägungen geopfert. Aber sie ist natürlich Teil unserer Lebensqualität. Sie fördert das soziale Empfinden genauso wie den Zusammenhalt einer Gemeinschaft.
Ich möchte als Beispiel dafür, wie Baukultur gut gelingt, den Bauhaus-Stil anführen. Wir haben hierzu in der letzten Sitzungswoche eine sehr gute Debatte mit guten Beiträgen von Kollegen aller Fraktionen geführt. Beim Bauhaus merkt man sehr deutlich, dass die Fusion von Kunst und Technik gelungen ist, dass Baukultur und Design auf der einen Seite und Kosten auf der anderen Seite kein Gegensatz sein müssen. Nein, im Gegenteil: Mit guten Ideen kann man auch kostengünstig bauen.
Die Baukultur schafft auch ein Klima des besseren Gemeinschaftsgefühls. Sie stärkt die Identität mit bestimmten Vorhaben. Wir haben oftmals Probleme, wenn es darum geht, für Großprojekte Akzeptanz unter den betroffenen Bürgern zu schaffen. Wenn wir im Vorfeld mit Modellen zur Umsetzung von baukulturellen Aspekten die Betroffenen mehr einbeziehen, dann haben wir auch mehr Identität, mehr Verständnis für das Vorhaben in allen Phasen der Umsetzung.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Vieles ist in dem Bericht sehr gut analysiert und umgesetzt. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass der vorliegende Bericht als Maßstab und auch als Fahrplan dient für Architekten, Planer, aber natürlich auch Bauherren und Investoren. Er setzt Maßstäbe in der nationalen und auch in der internationalen Diskussion. Das ist gut so. Auch dafür vielen Dank!

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Mit den Themenschwerpunkten „Wohnen und gemischte Quartiere“, „Öffentlicher Raum und Infrastruktur“ sowie „Planungskultur und Prozessqualität“ hat die Bundesstiftung Baukultur den Finger zu Recht auf die Wunde gelegt; denn das sind die Themen, die uns aktuell im Baubereich auf den Nägeln brennen.
Wohnungsneubau und Wohnungsumbau sind ebenso wie die Stärkung der Quartiere Themen, wenn es darum geht, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Dazu werden neue Planungsansätze benötigt. Das können wir in dem Bereich auf Grundlage dieser Untersuchung mit der Baukultur sehr gut bewerkstelligen.
Öffentlicher Lebensraum heißt auch Grün in der Stadt. Grün in der Stadt ist ein Thema, dessen wir uns besonders annehmen wollen. Ebenso wollen wir uns der notwendigen Sanierung von Infrastruktur im Bereich der Brücken und Straßen annehmen. Es gibt jetzt Chancen, auch hier baukulturelle Aspekte mit den notwendigen Erfordernissen zu verzahnen bzw. diese einzubeziehen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Ich finde die Idee, die diesem Bericht innewohnt, sehr gut, wenn es um die Anwendung der HOAI geht. Es gibt in der HOAI die Leistungsphasen 1 bis 9. Es ist gut, wenn man hier zumindest gedanklich eine Planungsphase 0 voranstellt, in der man das Vorhaben insbesondere unter baukulturellen Gesichtspunkten auf den Prüfstand stellt. Im Vorfeld sollte eine breite Diskussion dazu geführt werden. Das sollte dann in den anderen Phasen verwirklicht werden. Genauso sinnvoll ist es, dass man an die Leistungsphase 9 gedanklich eine Leistungs-phase 10 hängt, während der man überprüft, ob dies am Ende des Tages gelungen ist und wie es gelingen kann, das zu verstetigen bzw. für die gesamte Lebensphase des Objektes umzusetzen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Ich finde, das ist ein guter Ansatz. Er ist auch sehr augenscheinlich. Man kann ihn gut vermitteln. Auch dient er dazu, die Breitenwirkung dieses Berichtes zu verstärken, weil natürlich die Mitwirkung aller Akteure gefragt ist. Es ist keine Aufgabe von Architekten allein, sondern bedarf der Mitwirkung aller Beteiligten im Baubereich. Dazu gehören insbesondere die Investoren.
Wichtig ist die Vorbildwirkung, mit der wir als Bund beginnen müssen. Es ist daher gut und richtig, dass wir unsere Bundesstiftung Baukultur mehr als bisher auch in die Entwicklung und die Untersuchungen bundeseigener Bauten einbeziehen wollen, damit die Hinweise und Erkenntnisse, die innerhalb der Stiftung vorliegen, für die Umsetzung der Bundesbauten besser genutzt werden können.
Wir werden in den nächsten Monaten eine angeregte Diskussion zu den Inhalten dieses Bauberichtes führen. Ich kann aber – einige von Ihnen im Saal waren heute bei der Sitzung des Stiftungsrates mit dabei – sagen: Der Baubericht für die Jahre 2016 und 2017 ist in Vorbereitung. Ich bin auf die Themen gespannt, die dort bearbeitet werden. Das zeugt davon, dass unsere Bundesstiftung Baukultur auf einem guten Weg ist. Wir werden sie weiterhin unterstützen und stärken; denn sie ist heute und in der Zukunft ein wichtiges Element für die Baukultur in unserem Land.
Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)